Reitpädagogik, Motopädagogik mit Pferden, Reitunterricht, Sitzschulung

„Können wir das wirklich schaffen, Stephi? Ich kann ja rechnen…!“

… mit dieser zerknirschten, sorgenvollen Frage einer unserer Mitarbeiterinnen hat diese eine nicht ganz unwichtige Gedanken-Spirale in Gang gesetzt.

Seit 26 Tagen befinden wir uns nun in der „Ausgangsbeschränkung“.

Für unseren Verein bedeutet das, in Fakten:

– Pferdebesitzer dürfen in „Time-Slots“ kommen, um sich regelmäßig um ihr Pferd zu kümmern
– unsere Vereinspferde werden, aufgeteilt aufs gesamte Mitarbeiter-Team, mehrmals wöchentlich vom Boden aus bewegt, longiert, laufen gelassen. Um sie nach dem abrupten „Stop“ und vorheriger intensiver täglicher Arbeit nicht „einfach stehen zu lassen“, aber auch, um sie einigermaßen fit zu halten, für die „Wiederöffnung“, die ja hoffentlich früher als später passiert
– unser gemeinnütziger Verein beschäftigt 7 Mitarbeiter – 6 Angestellte, 1 Mitarbeiterin auf PRAE-Basis (Pauschale Reiseaufwandsentschädigung). Wir konnten teilweise Beschäftigungsverhältnisse aufrecht erhalten, teilweise wechselten Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit
– unser Verein bietet Reitpädagogik, Mutter-Kind-Kurse und Reitunterricht an. Keines dieser Angebote darf derzeit stattfinden
– unsere Vereinspferde haben Mitreiter, die als Bezugspersonen, Freunde und Mit-Ausbildner an der Seite „ihres“ Pferdes stehen. Als nicht-Besitzer dürfen sie bereits die 4. Woche nicht zu „ihrem“ Pferd. Trotzdem stehen in dieser schwierigen Zeit ALLE geschlossen hinter uns! Auch an dieser Stelle ein unendlich großes DANKESCHÖN!! ❤
– unser Verein hat nur 3 Einsteller, die auch jetzt in dieser Zeit einen monatlichen Fixbetrag leisten
– bisher wurde für „NGO’s“, also auch gemeinnützige Vereine wie wir es sind, kein „Hilfspaket“ vorgestellt.

Für den Wegfall unserer Einnahmen gibt es bisher KEINE Entschädigung, während die monatlichen Fixkosten für unsere Pferde weiterlaufen, Tag für Tag.

Es ist also wirklich richtig ernst.

Ernst, ja. Aber ausweglos? Ich sage entschieden NEIN!

Unser Verein lebt von und mit einer unbeschreiblich großen Gemeinschaft, aus der sehr viel Stärke entstanden ist, die uns jetzt gemeinsam trägt.

Mitreiter, die weiter hinter uns stehen, Einsteller und Mitarbeiter, die sich gemeinsam das Konditionstraining der Schulpferde aufteilen, wir die wir privat als Familie weiter am Hof arbeiten, den Ausbau vorantreiben, und – so viel wir können – auch finanziell geben, um den Verein zu stützen.

Spenden (IBAN AT71 3288 0000 0247 5374) und stärkende Worte unserer Kunden, von Nachbarn, Freunden und Fremden. Kleine Beträge und größere Summen, jeder Euro ist Gold wert, und soviel Motivation und Kraft, dran zu bleiben, immer weiter zu gehen.

„Schritt und Schritt für Schritt“, dieses Zitat eines lieben Freundes vor vielen Jahren begleitet mich seither, immer wieder in schwierigen Lebensphasen kommt’s mir in den Sinn, und erinnert mich ans Weitergehen- vorwärts, natürlich 🙂

Wir haben das Grundstück in Wagendorf vor fast 11 Jahren gekauft, eine traumhafte Wildnis, die darauf wartete, zivilisiert und zum Leben erweckt zu werden.

Offenstall+Koppel, Reitplatz, Heulager, Wasserleitungen, Elektrizität… fast alles machten wir in Eigenregie und mit Hilfe von Freunden und Familie, Geld war immer extrem knapp, Mut und Entschlossenheit haben uns über viele echt grenzwertige Situationen „drübergerettet“.

Sehr schwierige gesundheitliche Jahre, gefolgt von unserem anfangs unerfülltem Kinderwunsch (trotz ärztlicher Unterstützung…. unsere 2 Mäusekinder kamen dann, als wir „aufgegeben“ und uns zur Adoption angemeldet hatten)!

Wir waren immer gefordert, nahmen die Herausforderungen an, loteten unsere Grenzen aus. Ich war aber auch immer ein wenig stur, verfolgte Ziele, die bestimmt manchmal auch „unvernünftig“ wirkten oder waren, und sich – fast alle – Jahre später zu einem Großen Ganzen fügten.

Blick auf den späteren Reitplatz, 2009

Wir sind’s also „gewöhnt“ mit Herausforderungen umzugehen, sie machen uns stärker, manifestieren das, was wirklich wichtig ist, und helfen dabei, Ziele zu stabilisieren, oder unpassende Konzepte loszulassen.

Herausforderungen machen uns auch stabiler, so wiederspürüchlich das klingt – sie hinterfragen Bestehendes, machen uns verletzlich und angreifbar, wirbeln bestehende Routinen durcheinander.

Aber es liegt in unserer Verantwortung, für das, was uns wichtig ist, zu kämpfen, dran zu bleiben. Die Träume, die wir verfolgen, doch nicht einfach aufzugeben – sie werden kostbarer mit jeder einzelnen Herausforderung, die sich ihnen in den Weg stellte.

Darum – natürlich werden wir das „schaffen“, ganz bestimmt sogar! In das WIE werden wir täglich ein Stück weiter hineinwachsen, Möglichkeiten und Strategien finden in einer Situation, die sich permanent ändert.

Aber das OB steht nicht zur Frage, dazu ist das Alles viel zu wichtig! ❤

Ritt in den Sonnenuntergang am eigenen Reitplatz, Herbst 2009

Der Wert der Träume
liegt im Sinn begründet
den wir ihnen geben!
(Stephanie, 4/2020)

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